Prinzipien der Natur

Organon – Prinzipien der Homöopathie

 

Die Homöopathie behandelt kranke Menschen auf der Basis der Natur und damit des Menschen herrschenden Prinzipien, das sind natürliche Gesetze der wahren Natur des Menschen.

So stellt die Homöopathie in ihrer Behandlung keine Hypothesen und Annahmen über das Krankheitsgeschehen und deren Heilungsverlauf. Hypothesen und Annahmen können sich nämlich ständig verändern und dadurch Verwirrung bringen.

Ein/e kundige/r Homöopath/in, erhält durch die Ausrichtung an den naturgegebenen Prinzipien, eine Orientierung und damit die Gewissheit, wie Krankheit entsteht und Heilung geschehen kann. Er/sie weiss also und ist nicht auf schwankende Meinungen und Annahmen angewiesen (J.T. Kent, Prinzipien der Homöopathie, 2000, S. 11-12).

Paragraph 1 Organon:

«Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt.»

(J.T. Kent, 2000, S. 12)

Was heisst das nun in der Homöopathie?

Wie beschreibt die Homöopathie den kranken Menschen?

Hahnemann sagt dazu: «Es gibt keine Krankheiten, sondern nur kranke Menschen» S.20).

Wie können wir das verstehen?

Aus der Wissenschaft und der Forschung wissen wir grundsätzlich, dass hinter allem was ist, eine Ursache besteht. So ist es auch bei Krankheiten. Hinter einer Erkrankung (diagnostiziert oder nicht) besteht also immer eine Ursache. Das bedeutet: hinter allem was wir auf eine Art, mit unseren Sinnen, betrachten können (auch mikroskopisch), existiert eine Ursache. Nichts kann ohne einen Grund entstehen. Es ist also etwas vorangegangen, das schon vorher da war, aber nicht bewusst wahrgenommen wurde.

Alles was Körper ist, kann mit den Sinnen wahrgenommen werden. Wenn der Mensch stirbt, bleibt der Körper zurück. Was hat sich beim Tod verabschiedet, was vorher den Körper belebte? Was vorher seinen Gesichtsausdruck und seine Mimik, seinen Bewegungsgang und seine Art zu handeln ausgemacht hat?

Es ist der Charakter des Menschen. Der Charakter eines Menschen besteht aus seinem Willen (wollen) und seinem Verstand (denken). Das ist das innere Wesen des Menschen, aus der die Kraft zum Leben entspringt, seine Lebenskraft. Wenn die Homöopathie davon spricht, den kranken Menschen zu heilen, dann spricht sie also nicht nur von seinem Körper, sondern vor allem von seinem inneren Wesen. Das innere Wesen wird zuerst krank, bevor die Krankheit auf der Körperebene erscheint. Das innere Wesen, geht dem Körper voraus. Der Körper ist wie das Haus, das durch das Wollen und Denken des Menschen gebaut wurde. Das Haus ist auf die Art und Weise ausgestattet und gestaltet, wie der Mensch denkt, liebt und ist.

Ein Mensch wird krank, wenn eine Unordnung in seinem Inneren entsteht. Wenn also zwischen seinem Willen (das, was der Mensch will, tut und für sich umsetzt oder nicht) und seinem Verstand (das, was der Mensch denkt, was für ihn gut ist oder schlecht und wie er über sich, die Welt und andere denkt) eine Unstimmigkeit entsteht. Eine Veränderung am inneren Wesen des Menschen, sei das in eine krankmachende oder eine gesundmachende Weise, zeigt seinen Ausdruck, sein Erscheinungsbild am Körper. So wie es in unserem Inneren aussieht, so zeigt es sich im Aussen, an unserem Körper und dem, was uns im Leben begegnet.

In der Symptomerfragung ist es für die Behandlung des kranken Menschen zentral, nicht nur die körperlichen Erscheinungen zu erfragen. Denn meistens werden körperliche Symptome erst mit der Zeit sichtbar. Zeichen von Krankheit sind aber bereits vorhanden, bevor sie sich körperlich in Symptomen ausdrücken, oder der Arzt eine Krankheit diagnostizieren kann. Wenn diese Anzeichen anhalten, können sich daraus mit der Zeit Schädigungen des Gewebes, der Organe und des Körpers entwickeln, die möglicherweise nicht mehr zu heilen möglich sind. Deshalb ist es wichtig, diese nicht mit den Sinnen wahrnehmbare Unordnung im Menschen, wahrzunehmen.

Darunter gehören zum Beispiel:

  • «Ich kann nachts nicht schlafen»

  • «Ich habe Missempfindungen»

  • «Ich habe Schmerzen»

  • «…

Jegliche Symptome, die vom ursprünglichen Zustand abweichen, werden als Symptome, als die Sprache der Natur betrachtet und weisen auf das innere Wesen des Menschen hin, allen voran unsere Gemütsverfassung, also so, wie es uns in unserer Seele geht. Die Homöopathie behandelt somit, im besten Fall, schon bevor eine Krankheit auf körperlicher Ebene auftaucht. Es ist eher so, dass bei körperlichen Symptomen, herausgefunden werden muss, was die Symptome und Auslöser vor dieser körperlichen Erscheinung war, um an den Ursprung der Unordnung im Inneren des Menschen zu gelangen. Denn meistens werden die Ursprünge über Generationen (Miasmen) weitergegeben und finden ihre Auslöser zum Beispiel in der Kindheit (unerfülltes Bedürfnis, Streit der Eltern, Schlechte Nachricht, Verlust, Schreck, Ärger etc.).

Die Homöopathie behandelt also die Ursache und die Auslöser des kranken Menschen, die innere Unordnung und nicht deren Auswirkungen (Symptom, Krankheit).

Ein Beispiel: Hautausschlag

Wenn zur Behandlung eines Hautausschlages lokal ein Mittel eingesetzt wird (z.B. eine Cortisonsalbe) und der Ausschlag danach verschwindet, heisst das nicht: dass der Mensch geheilt ist, nur weil das Symptom auf der körperlichen Ebene verschwunden ist. Diese Reduktion beruht auf Unbewusstheit, ja sogar Dummheit, denn nach den natürlichen Prinzipien wissen wir, dass die Ursache auf tieferer Ebene vorhanden ist. Der Hautauschlag ist zwar weg, aber die Ursache noch nicht. Was bedeutet das logischerweise? Es werden sich wieder Symptome zeigen. Weil jetzt aber das Symptom auf der Haut, ohne die Heilung des wirklichen Ursprungs weggemacht wurde, werden die Symptome komplizierter und wandern im Körper weiter, hin zu lebensbedrohlicheren Orten im Körper.

Die Unterdrückung (Symptombekämpfung) verlief gegen die natürlichen Prinzipien, gegen das Leben und die Lebenskraft des Patienten, somit wird ein Signal gegen das Leben (des Sterben-Wollens) ausgedrückt, was den Menschen in seiner Lebenskraft schwächt und ihn kränker macht. Andere, komplexere Krankheiten können sich nun zeigen. Eine Behandlung des Hautausschlages, mit der Ausrichtung an den natürlichen Prinzipien, verläuft also zuerst vom ganzen Menschen hin zur Haut, nicht umgekehrt. Mit dem richtigen homöopathischen Mittel verbessert sich also zuerst das innere Wesen, eine innere Ordnung wird hergestellt, ein Signal des Leben-Wollens ausgedrückt, bevor sich eine Veränderung auf körperlicher Ebene zeigt.

Es gibt also wie Hahnemann sagte, «…keine Krankheiten, sondern nur kranke Menschen (J.T. Kent, 2000, S. 20).

Quelle: J.T Kent, Prinzipien der Homöopathie, übersetzt von M. Tiedemann, 2000, S. 11-25

Quelle: Mohinder Singh Jus, Die Reise einer Krankheit. Homöopathie verstehen – ein praktischer Leitfaden. 2019

Paragraph 2 Organon:

«Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten unnachteiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.»

 (J.T. Kent, 2000, S. 26)

Das höchste Ideal des Heilens – die Natur des Heilens:

Wir sehen tagtäglich in der homöopathischen Praxis, dass Symptome weiterwandern, wenn sie unterdrückt oder von aussen weg behandelt werden (reine Symptombekämpfung), und auf eine ernsthaftere und lebensbedrohlichere Weise wieder auftauchen können. Viele Menschen erkennen dieses Phänomen nicht und glauben, dass sie eine neue Erkrankung bekommen haben, die keinen Zusammenhang mit früheren Symptomen hat – da diese ja nicht mehr vorhanden sind.

Ohne die Behebung der Ursache (eine innere Unordnung) von Symptomen, wird sich diese innere Unordnung weiter bemerkbar machen und die Symptome bleiben. Die Lebenskraft möchte auf diese innere Unordnung aufmerksam machen und vermittelt zwischen Krankheit und Gesundheit. So werden Symptome produziert, um darauf hinzuweisen, dass im Inneren etwas nicht in Ordnung ist. Durch eine reine Symptombekämpfung oder Symptomunterdrückung, ohne Behandlung deren inneren Unordnung, werden zunehmend ernsthaftere und lebensbedrohlichere Bereiche unseres Körpers betroffen, was unsere Lebenskraft und Widerstandsfähigkeit schwächt.

Der Paragraph 2 in der Homöopathie lehrt uns die Natur des Heilens. Wie können wir das verstehen?:

Es wird von der Wiederherstellung der Gesundheitgesprochen, nicht von Symptombeseitigung. Der Fokus ist klar auf die Gesundheit gerichtet und das meint: die innere Ordnung im Menschen wiederherzustellen. Die reine Symptombekämpfung ist nicht ganzheitlich angedacht, und kann deshalb auch den Menschen in seiner Gesundheit nicht ganzheitlich unterstützen. Wenn also Symptome zwar verschwinden (Hautauschlag), jedoch die Gesundheit (innere Ordnung) nicht ganzheitlich wiederhergestellt ist, kann von Heilung nicht die Rede sein. Die Grundursache ist noch da, es wurde lediglich an dessen Auswirkungen behandelt. Wenn Heilung geschieht, kann der kranke Mensch das innerlich fühlen. In der Homöopathie wissen wir, dass, wenn ein Symptom verschwindet und sich eine innere Verbesserung zeigt (oft noch bevor das Symptom selbst verschwindet), die Krankheit durch Gesundheit ersetzt wurde (innere Ordnung).

Die richtige Behandlung erfolgt ausserdem schnell, sanft und dauerhaft. Die homöopathische Behandlung ist eine sanfte Methodeund hat beim richtigen Mittel eine dauerhafte und rasche Wirkung. Die innere Ordnung wird wiederhergestellt und so kann das Äussere des Menschen in die Ordnung rücken. Dennoch kann ein Mensch bei der Herstellung dieser Ordnung starke Reaktionen zeigen.

Allopathische Arzneimittel der Schulmedizin sind im Gegensatz gefährlich, es kann zu massiven Nebenwirkungen in der Psyche und Geist kommen. Tabletten scheinen sanft, die Inhaltsstoffe sind jedoch stark und gefährlich. Viele Menschen glauben, dass diese Mittel eine Wirkung auf ihre Probleme haben, weil Symptome nach der Mittelgabe verschwinden können (Der Hautausschlag verschwindet, die Schmerzen verschwinden vorübergehend…). Die Wirkung dieser Mittel kann jedoch nicht die Ursache (die innere Unordnung) erreichen, sie reagiert nur auf die Auswirkungen davon und im schlimmsten Fall werden Symptome unterdrückt. Weil die Symptome weg sind, glauben aber viele Menschen, dass das Mittel gewirkt hat. Durch Symptomunterdrückung und deren noch vorhandene, aber nicht erreichte Ursache, zieht sich die Lebenskraft weiter zurück in das Innere des Menschen und zeigt sich dort auf eine komplexere Weise, in einem anderen Erscheinungsbild. Oft wird dann das alte Erscheinungsbild des Problems nicht in den Zusammenhang gebracht mit dem neuen Erscheinungsbild desselben Problems. Viele Menschen denken, es zeige sich ein neues Problem, eine neue Krankheit und sie sehen nicht, dass die neuen Symptome etwas mit den alten Symptomen gemeinsam haben: nämlich dieselbe Ursache und deren falschen Behandlung. Mit jeder weiteren Symptomunterdrückung werden die Symptome lebensbedrohlicher und schlussendlich wird der Mensch daran sterben.

Die Heilung erfolgt nach deutlich einzusehenden Gründen, das heisst, nach klaren, unverrückbaren Prinzipien, also weder durch Vermutungen, noch etwas, was es zu beweisen gilt, oder immer nach dem gleichen Rezept angewendet wird.

Die Grundsätze, an welchen sich die Homöopathie orientiert, haben sich bisher nie verändert und werden immer die gleichen bleiben.

Ein allopathischer Arzt beweist Heilung dadurch:

–       Dass der Patient nicht gestorben ist

–       Die festgestellten Krankheitserscheinungen (Symptome) verschwunden sind.

Ein homöopathischer Arzt zeigt auf, dass es klare Grundsätze gibt, an denen er erkennen kann, dass es dem behandelten Menschen besser geht: «Die Heilung muss vom Zentrum zur Peripherie verlaufen.» (Kent, 2000, S. 31-32):

–       Zuerst wird das Innere des Menschen (Zentrum), das was zuerst in Unordnung geraten ist, wieder in Ordnung kommen. Das sind zuerst der Wille und dann der Verstand. Und somit eine verbesserte Gemütsverfassung.

–       Die Symptome im Äusseren (Peripherie) werden sich zuletzt ordnen. Das sind Körpererscheinung bis hin zur Körperoberfläche wie Organe, Haut, Haare, Nägel etc.

 

 

Die Ordnunggeschieht also von oben nach unten (vom Kopf hin zu Händen und Füssen), von innen nach aussen und von den lebenswichtigen Organen zu weniger lebenswichtigen Organen. Symptome, die in dieser Reihenfolge verschwinden, sind dauerhaft geheilt. Auch wenn Symptome nach dieser Reihenfolge, aber im umgekehrten Sinne ihres Erscheinens wieder auftreten, bedeutet das, dass die verschwundenen Symptome dauerhaft beseitigt sind. Verläuft die Auswirkung der Behandlung auf diese Weise, ist sich der homöopathische Arzt der Heilung sicher.

Ein Beispiel: Es wurden Schmerzen in den Gelenken mit entzündungshemmenden und antirheumatischen Mitteln behandelt. Die Gelenksschmerzen sind zwar verschwunden, es hat sich dann aber, wegen der Symptomunterdrückung (reine Symptombekämpfung), Arteriosklerose in den Herzkranzgefässen (die versorgenden Gefässe des Herzens) entwickelt und dadurch ist das Risiko für einen Herzinfarkt stark gestiegen. Durch die richtige homöopathische Mittelgabe können die entzündlichen Prozesse, die sich durch die Unterdrückung der Gelenksschmerzen auf das Herz verlagert haben, wieder zurückentwickeln und heilen. Die Entzündungen werden in der Folge wieder in den Gelenken auftauchen, die Gemütsverfassung hat sich verbessert. Mit dem richtigen homöopathischen Mittel wird die innere Ordnung wiederhergestellt, welche eine ordnende Wirkung im Aussen hat. Mit zunehmender innerer Ordnung können sich auch die Gelenksschmerzen verändern.

Viele Menschen haben jedoch Mühe, wenn die alten Symptome wiederauftauchen und sie reagieren zuerst einmal mit Widerstand. Hier ist es wichtig zu verstehen, wie Krankheit verläuft und Gesundheit wiederhergestellt wird. Es braucht oft Geduld sich wieder auf bereits überstanden geglaubte Symptome (wie einen Hautausschlag, Warzen, oder Schmerzen in der Peripherie etc.) einzulassen. Dabei zu wissen und erfahren, dass sich im Inneren des Menschen schon ganz viel zum Besseren hin verändert hat, kann helfen, sich mit den äusseren Symptomen zu arrangieren. Man kann sich nämlich fragen: Möchte man lieber einen Hautausschlag oder Asthma? Möchte man lieber eine Warze oder eine Depression? Möchte man lieber Gelenksschmerzen oder einen Herzinfarkt etc.? Heilung bedeutet auch nicht unbedingt die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Versöhnung und das Annehmen von dem, was ist. Das führt zu Zufriedenheit, Gelassenheit und einer inneren Ausgeglichenheit.

«Einem Arzt, der nicht weiss, was Ordnung ist, sollte man nicht vertrauen.» (Kent, 2000, S. 36).

Quelle: J.T Kent, Prinzipien der Homöopathie, übersetzt von M. Tiedemann, 2000, S. 26-36

Quelle: Mohinder Singh Jus, Die Reise einer Krankheit. Homöopathie verstehen – ein praktischer Leitfaden. 2019

 

Paragraph 3 Organon:

Das Heilbare und das Heilende

 

Es geht darum, im Heilungsprozess einer Krankheit, das zu betrachten, was mit dem physischen Auge nicht erkennbar ist. In der Behandlung einer Erkrankung benötigt es einen ganzheitlichen und umfassenden Blick auf deren symptomatischen Erscheinungen. Das bedeutet, dass die symptomatischen Erscheinungen einer Krankheit (z.B. eine Art von Rheumatoider Arthritis) wie z.B. Entzündungen und Schmerzen in den Gelenken, Morgensteife, Müdigkeit, Unwohlsein, leichtes Fieber, Leistungsschwäche und Nachtschweissauf die Unordnung im betroffenen Menschen hinweisen, nicht aber das ist, was zu heilen ist. Diese Symptome sind lediglich äussere Erscheinungen und präsentieren das Bild einer inneren Störung. Die Heilung wird also nicht an diesen äusseren symptomatischen Erscheinungen oder einer Diagnose angesetzt, sondern an individuellen, aus dem Inneren kommenden Besonderheiten.

Das bedeutet, dass es neben einem klaren Blick des Homöopathen/der Homöopathin eine sehr gute Selbstbeobachtung des Patienten braucht. Dabei sind für eine erfolgreiche Behandlung besonders diejenigen Symptome hilfreich, die auf sehr individuelle und persönliche Eigenarten des Patienten hinweisen (z.B Kopfschmerzen; besser während dem Wasser lösen), sowie scheinbar kleine und feine Veränderungen im Inneren des Menschen aufzeigen (z.B. veränderte Gemütsstimmung, verbesserter Schlaf, etc.) . Die Veränderung von körperlichen Symptomen muss nämlich nicht unbedingt bedeuten, dass die Unordnung im Inneren des Menschen geheilt wurde.

Äussere Symptome weisen auf eine innere Unordnung hin. Sind solche Symptome vorhanden oder bleiben diese weg, zeigt dies nicht zwingend auf, ob Heilung geschieht oder nicht.

Beispiel – Pflanze:

Nur, weil eine Pflanze ihren Stiel und ihre Blätter hängen lässt, wird es einem kundigen Gärtner nicht in den Sinn kommen, ihre Blätter abzuschneiden. Er sieht genau, dass der Boden trocken ist und die Wurzeln zu wenig Wasser aufnehmen können, um die Pflanze zu versorgen. Dieser Gärtner hat also seinen geschulten Blick über die hängenden Blätter hinaus geöffnet und betrachtet genau, wo es eine Veränderung braucht. Die hängenden Blätter haben ihm lediglich einen Hinweis dafür gegeben, dass der Pflanze etwas fehlt. Giesst er nun den Boden, werden sich die Blätter, solange sie noch Lebenskraft in sich tragen, langsam erholen und wieder kraftvoll erscheinen. Zuerst wird sich der Stiel aufrichten, danach werden vielleicht einige Blätter abfallen, andere werden sich wieder entfalten. Es könnte aber auch sein, dass die hängende Erscheinung durch einen Befall von Insekten an den Wurzeln kommt. Dann wäre weder das Blätterschneiden, noch eine Behandlung mit Wasser sinnvoll und heilend.

Um das Heilbare zu finden, muss der Gärtner, mit seinem geschulten Blick genau wahrnehmen, wo sich die Pflanze mit ihrer Unordnung, in ihrer Eigenart zeigt. So wird dann nicht das äussere Symptom (hängende Blätter) – eine generelle Erscheinung – behandelt, sondern gezielt da, wo etwas zu verändern möglich ist – nämlich am Boden oder den Wurzeln.

 

 

Der Homöopath/die Homöopathin behandeltalso nicht alle symptomatischen Erscheinungen, sondern wählt die zu behandelnden Symptome sorgfältig nach ihrer Veränderbarkeit – ihren Veränderungsmöglichkeiten, aus. Er orientiert sich dabei klar an den unverrückbaren, natürlichen Prinzipien und hat eine klare Vorstellung davon, wie Ordnung oder Unordnung entsteht. Und das geschieht von Innen nach Aussen, durch feine Veränderungen im Inneren des Menschen.

Somit beginnt eine Krankheit also im Inneren des Menschen, aus seinem Zentrum heraus. So, wie ein Mensch denkt und handelt (Wille) entscheidet sich, was er im Aussen ausstrahlt und für das physische Auge in Erscheinung tritt (z.B. eine Krankheit, Symptome, Probleme in Beziehungen oder am Arbeitsplatz, etc.). Äussere Dinge (wie Bakterien, Viren oder seine Umgebung) machen den Menschen nicht krank, es ist die Art und Weise, wie ein Mensch denkt und handelt (Ursachen, die im Menschen liegen), die ihn empfänglich für Krankheiten macht.

Beispiel – Grippewelle:

Das bedeutet auch, dass Menschen mit ähnlichen symptomatischen Erscheinungen (z.B. Grippewelle: Husten, laufende Nase, Fieber), nicht unbedingt dasselbe Arzneimittel benötigen. Die Symptome weisen ja lediglich auf eine Unordnung im Inneren hin, welche den Menschen empfänglich für die aktuelle Grippewelle gemacht hat. Diese Ursache, die den Menschen überhaupt empfänglich dafür machte, kann aber nicht bei allen Menschen dieselbe sein, sie ist individuell. Deshalb ist eine Behandlung aufgrund allgemeiner Symptome dieser aktuellen Grippewelle nicht unbedingt heilend, jedoch hinweisend und klärend. Um an den Ursprung der Unordnung zu gelangen, welche empfänglich für allgemeine Krankheitserscheinungen (Husten, laufende Nase, Fieber) machte und um diese zu behandeln, müssen in einer ganzheitlichen Behandlung die allgemeinen Krankheitserscheinungen (Husten, laufende Nase, Fieber) von den individuellen Symptomen (z.B. besser viel Essen trotz hohem Fieber, besser kalte Getränke, etc.) unterschieden werden können.

Der kunstgerechte Heilungsweg verläuft also über die Betrachtung von allgemeinen Symptomen, bleibt da jedoch nicht hängen und führt weiter bis zu dem Besonderen, welches sich beim Menschen ganz individuell zeigt.Jedes Arzneimittel in der Homöopathie deckt bestimmte allgemeine Symptome ab, hat aber auch seine ganz individuelle Besonderheit. So kann durch diese feine Differenzierung das passende Mittel (Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt) für den Patienten gefunden werden. Und zwar über die allgemeinen Symptome bis hin zu den kleinen und individuellen Besonderheiten (innere Lebensäusserungen und Denken) des zu behandelnden Menschen.

«Zunächst betrachtet er (der Homöopath/die Homöopathin) die allgemeinen Wesenszüge der Krankheit, dann sieht er, wie sich im kranken Individuum diese Züge der Krankheit in dessen Wesenszügen zeigen.» (J.T. Kent, 2000, S.45)

 

Paragraph 3 Organon:

«Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheit da ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntnis, Indication), sieht er deutlich ein, was an den Arzneien, das ist, an jeder Arznei insbesondere, das Heilende ist (Kenntniss der Arzneikräfte), und weiss er nach deutlichen Gründen das Heilende der Arzneien auf das, was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, dass Genesung erfolgen muss, anzupassen sowohl in Hinsicht der Angemessenheit der für den Fall ihrer Wirkungsart geeigneten Arznei (Wahl des Heilmittels, Indicat), als auch in Hinsicht der genau erforderlichen Zubereitung und Menge derselben (rechte Gabe) und der gehörigen Wiederholungszeit der Gaben: kennt er endlich die Hindernisse der Genesung in jedem Falle und weiss sie hinwegzuräumen, damit die Herstellung von Dauer sey: So versteht er, zweckmässig und gründlich zu handeln und ist ein ächter Heilkünstler(J.T. Kent, 2000, S. 37)

Quelle: J.T Kent, Prinzipien der Homöopathie, übersetzt von M. Tiedemann, 2000, S. 37-47

Quelle: Mohinder Singh Jus, Die Reise einer Krankheit. Homöopathie verstehen – ein praktischer Leitfaden. 2019

 

Führung aus der Mitte

 

Macht es einen Unterschied, ob ich mich von reinen Erfahrungen leiten lasse, oder mich von klaren und unverrückbaren Gesetzen führen lasse?

Was macht das aus? In meinem Leben und welche Wirkung hat es auf die Gesundheit?

Hätte ich klare Gesetze, an denen ich mich ausrichte, dann müsste ich nicht immer wieder neue Theorien oder Konzepte aufstellen und ich müsste mich vor allem nicht von Zweifeln verwirren lassen. Verwirrung und Zweifel entsteht, wenn ich mich auf die Dinge abstütze und mich davon leiten lasse, die sich stetig verändern und wandeln. Und das sind Z.B Erfahrungen. Die Gefahr darin ist nämlich, den roten Faden nicht zu sehen, Ungeduldig zu werden, so das Beständigkeit verloren geht, also nicht an etwas bleibe. So verpasse ich dann auch, wenn sich etwas verändert, weil ich es nicht wahrnehme oder etwas kann gar nicht eintreten, weil mein Fokus nicht ausgerichtet ist. Es entsteht dann eine Willkürlichkeit mit der ich das Leben betrete… Der Mensch sucht sich immer eine Orientierung, dabei haben wir die Wahl: Es könnte die Orientierung an den natürlichen Prinzipien sein, oder die Orientierung entlang von Ängsten…

Zu den Erfahrungen: Erfahrung ist ein wertvolles Instrument, um das auf menschlicher Ebene zu bestätigen, was durch höhere, geistige Regeln und Gesetze erforscht wurde. Erfahrung alleine ermöglicht in diesem Sinne keine Entdeckungen, sie kann lediglich bestätigen. Wir bilden uns ein, das was sich uns zeigt oder nicht zeigt durch Erfahrung zu entdecken oder zu erfinden. Diese Erfindungen laufen jedoch in viele mögliche Richtungen. Den Fokus auf dieser Erfahrung haltend, entfernt er sich immer mehr von unserer ureigenen Natur und den natürlich, herrschenden Prinzipien.

Dann stehen wir auf und erzählen uns unsere Erfahrungen, wir diskutieren miteinander und erkennen die Gemeinsamkeiten nicht, sondern verlieren uns in der Unterschiedlichkeit. Wir fangen an zu vergleichen und versuchen uns auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen, der dann schlussendlich zu unserer gemeinsamen Wahrheit wird. Später wenn wir uns wieder treffen, haben wir natürlich mehr Erfahrungen gemacht, andere oder ergänzende. Darüber tauschen wir uns dann wieder aus, wir werden Altes, worauf wir uns beim letzten Mal gestützt haben wieder verwerfen und «das Neue» wird unsere gemeinsame Wahrheit neu formieren. Unter uns Menschen ist es die gängige Art, wie wir zusammenfinden und in Beziehung treten und uns selbst entdecken. Die Anerkennung dieser Wandelbarkeit, welche sich im Werden und Vergehen der Natur wiederspiegelt unterstützt uns darin, sich mit der scheinbaren Realität auszusöhnen und unseren Geist flexibel zu halten, Fixationen und unser «Haben wollen» oder unsere Unzufriedenheit in einem grösseren Zusammenhang zu bestätigen. Aber diese sich verändernden Erscheinungen wären nichts und blieben willkürlich, würde dahinter eine grössere Ordnung fehlen. Deshalb macht es keinen Sinn, diese Erscheinungen festzuhalten, noch sich daran auszurichten. Sie dienen lediglich als Spiegel – Wellen – die als sichtbare Form einer tieferen Weisheit entspringen und in Erscheinung treten und sind nicht als Ausgangslage anzuerkennen.

Genauso passiert es jedoch neben dem täglichen Leben auch in der Wissenschaft, Z.B. dem Bereich Medizin. Wissenschaft entsteht aufgrund dieses Vorgangs, also auf der Basis von Erfahrungen, unabhängig davon, wie weit sie von der Natur entfernt ist. Das Erfahrungswissen in der Medizin bestätigt nichts, sondern macht aufgrund von Erfahrung (wie weiter oben beschrieben) neue Theorien und Modelle, die dann in der Medizin angewendet werden. Es besteht also keine gesetzesmässige Grundlage auf dies sich diese Wissenschaft stützt, wie die natürlichen Prinzipien, die etwas über die innere Ordnung des Menschen lehren.

In der Medizinlehre wird von «die Medizin der Erfahrung» (S.49) gesprochen. Das bedeutet also, dass sich diese Lehre ständig wandelt und einmal für gut geheissenes wieder verändert wird.

Natürlich muss man beobachten, um sich dem Heilungsgeschehen sicher zu sein. Es besteht jedoch ein grosser Unterschied zwischen Beobachtungen einer Wissenschaft auf der Basis von natürlichen Regeln und Gesetzen und der Beobachtungen einer Wissenschaft, die sich nicht an Gesetzen und Regeln orientieren.

Um Krankheit zu verstehen ist es notwendig, etwas über die innere Ordnung des Menschen zu wissen:

 

Es geht um das Anerkennen einer höheren Ordnung. Darin finden wir immer ein Zentrum, aus dem heraus gesteuert wird und eine übergeordnete Funktion ausgeht. Es gibt verschiedene Ordnungen, aus deren Zentrum das Zusammenleben organisiert wird (Weltordnung, Bundesgesetze, Zivilrechtsordnung, physikalische Gesetze etc.).

Im Menschen hat das Ordnungszentrum in der grauen Substanz des Gehirns seinen Platz. Sie verläuft über Gehirn, Kleinhirn, Rückenmark und Nerven. Innerlich macht der Wille und der Verstand als Einheit den inneren Menschen aus. Äusserlich haben wir den grobstofflichen Körper. Verbindend fliesst durch uns die Lebenskraft, eine formende Kraft, die zwischen Gesundheit und Krankheit vermittelt (auch: Vizeregenten der Seele, Seelenstoff, Ursubstanz Selbstheilungskraft). Alle Vorgänge im Menschen sind durch dieses Zentrum gesteuert, verlaufen vom Zentrum zur Peripherie. Also vom Zentralsten (Wille und willkürliches Prinzip), über das Verbindende (Lebenskraft) bis hin zur materiellen Substanz jeder Zelle des Menschen. Jede Zelle ist auf diese Weise aufgebaut und beinhaltet das Innere des Menschen (Wille und Verstand), die Verbindung oder die Vermittlerin (Lebenskraft) und das Äussere des Menschen (materielle Substanz).

Gesundheit oder Krankheit sind also abhängig davon, wie Störungen, die an den

Menschen herankommen, bewältigt werden können und das ist wiederum abhängig davon, wie es im Inneren dieses Menschen aussieht. Die Kraft zur Bewältigung kommt von Innen her.

Allgemein entstehen Verletzungen durch äussere Einwirkungen und Krankheiten durch Störungen im Inneren des Menschen (am Willen und Verstand). Echte Krankheiten (Miasmen) bewegen sich von der Mitte (feinstofflicher Bereich) her nach Aussen (grobstofflicher Bereich) und können nur durch ihre Auswirkungen wahrgenommen werden. Krankheiten, aber auch deren Heilung entstehen also genau nach diesem Ordnungsprinzip.

Wenn wir uns nach den unverrückbaren Naturgesetzen orientieren(Heilung von Innen nach Aussen) gibt uns das eine Orientierung, eine Ordnung. Die Richtung der Gesetzgebung bleibt immer die gleiche und damit verbundene Erfahrungenmachen uns in der Behandlung von Krankheiten sicherer, weil eine Basis, ein Grund besteht, der Orientierung gibt und anhand dessen der Verlauf von Heilung oder einem Krankheitsgeschehen beobachtet werden kann. . Das führt zu Vertrauen und einem Wissen zum Heilungsgeschehen, welches durch Behandlungsformen mit reiner Symptombekämpfung, oder -unterdrückung nicht entstehen kann, weil die Symptome selbst als Ursache einer Krankheit betrachtet nur eine Annahme ist. Die Gesetzgebung gibt die Richtung vor, es braucht einen festen Standpunkt in der Wissenschaft. Die Gesetze sind immer verlässlich, nicht aber die Erscheinungen (Symptome) in der Peripherie des Menschen. In der Homöopathie gelten also die natürlichen Prinzipien, Dinge die damit nicht übereinstimmen haben kein Gewicht.

Das ist auch der Grund, weshalb die Arzneimittel in der Homöopathie potenziert werden, damit sie eine feinstofflichere Form annehmen, die auf das innere, das Zentrum des Menschen wirken (den Willen und den Verstand). Alle Ursachen von Krankheiten haben eine feinstoffliche Natur und beginnen im Willen und im Verstand und so wirkt das richtige homöopathische Mittel auf diese Strukturen von Innen nach Aussen. Allopathische und andere Medikamente in grobstofflicher Form, können die Gewebe des Menschen nicht tiefer durchdringen, um auf die feinstofflichere Ebene von Willen und Verstand zu gelangen und dort Veränderung zu bewirken. Im Umgekehrten Sinne fliesst aber eine Veränderung im Willen und dem Verstand in die Gewebe und kann dort eine Veränderung bewirken. Die Haut schützt den Menschen vor schädlichen, grobstofflichen Einflüssen, die aber nicht das Innere durchdringen können.

Vollständige Gesundheit besteht, wenn der Mensch innerlich im Gleichgewicht ist. Wenn im Inneren bereits eine kleine Störung (Ursache) vorhanden ist, können immaterielle Einflüsse den Menschen krank machen. Krankheit kann also nur vom Zentrum her den Organismus des Menschen beeinflussen und von da aus Symptome in der Peripherie produzieren (Ergebnis der Krankheit, Krankheitsfolge), weil es die innere Regie stört.

Solange der Mensch innerlich im Gleichgewicht ist, werden auch die Gewebe gesund und der Stoffwechsel, der gesamte Organismus gesund sein.

Beispiel einer Ordnung – Die Staatsregierung:

Eine Störung, die in ein Land, in ein Zentrum eintritt, oder eine Störung innerhalb der Staatsregierung wird die ganze Landbevölkerung betreffen und beeinflussen. Je nachdem wie die Regierung mit dieser Störung umgeht und welche Empfehlungen oder Massnahmen (Gesetze) sie veranlasst oder verfügt, werden die kleineren, politischen Systeme (Kantone, Gemeinden) Handlungen ausführen. Anderseits werden Störungen in einer kleinen Gemeinde nicht die gesamte Landesbevölkerung betreffen, Störungen in der Zentrale (Staatsregierung) jedoch schon. Eine einzelne Straftat, die auf dem regionalen Gericht bearbeitet wird, hat nicht die Kraft, das Strafgesetzbuch ins wanken zu bringen. Umgekehrt werden Änderungen im Strafgesetzbuch oder der Bundesverfassung das Handeln der regionalen Gerichte beeinflussen. Genauso ist es bei uns Menschen, nichts kann von Aussen die Zentrale derart beeinflussen, dass sie das Gleichgewicht verliert. Ein Schnitt im Finger wird also von der inneren Regierung des Menschen wieder in Ordnung gebracht und den Organismus nicht durcheinanderbringen. Diese Störung wird nicht als Krankheit betrachtet, weil es nicht den gesamten Organismus des Menschen erschüttert. Eine Störung (auch bereits eine kleine), die aus dem Zentrum des Menschen herausbricht, stört jedoch den ganzen Organismus, produziert in die Peripherie ausstrahlende Symptome und wird als Krankheit betrachtet.

Nun sind aber Symptome die sich im Aussen zeigen (mit den Sinnen erkennbare Erscheinungen) trügerisch. Denn anhand der Symptome einer akuten Infektionskrankheit kann der wahre Grund der Störung im Zentrum, noch nicht erfasst werden. Wenn nun rein die sichtbaren Symptome (Husten, Hautausschlag) unabhängig einer grösseren Ordnung (Heilung entsteht von Innen nach Aussen) behandelt werden, kann einerseits die Ursache im Innern nicht behoben werden. Andererseits brodelt diese Störung weiter, weil sie mit reiner Symptombekämpfung (Behandlung nach Erfahrung: Husten verschwindet mit Antitussiva, Hautausschlag verschwindet nach Cortisongabe) nicht gelöst wird.

Wenn also versucht wird nur das sichtbare Symptom (Hautausschlag) zu behandeln und sich dabei auf Erfahrung beruft (Hautausschlag verschwindet nach Cortisongabe), ohne eine Gesetzgebung als Basis (Ursache der Erkrankung im Inneren des Menschen), besteht die Gefahr der Willkürlichkeit.

Beispiel Willkürlichkeit der Symptombehandlung – Infektionserkrankung:

Willkürlich ist es, weil Symptome einer Infektionserkrankung zwar im äusseren Bild gleich scheinen, nicht aber dieselbe Ursache im Inneren haben. Ein Verlauf von Heilung oder Krankheit kann so schwer beobachtet werden, weil bei Symptomunterdrückung und bekämpfung, die Ursache immer noch bestehen bleibt (die Zystitis verschwindet zwar mit dem Antibiotika, da die Ursache aber tiefer im Menschen noch besteht, wird sich ein anderes Symptom manifestieren, je nach Prädestination ist das Z.B. Asthma?? oder Depression etc..

Was passiert dann normalerweise? Die Blasenentzündung ist überwunden, nun wird der Fokus auf das Symptom Asthma oder die Depression gelegt und diese behandelt, als neue Krankheiten betrachtet. Ein Zusammenhang (gleiche Ursache, welche durch die Antibiotikagabe noch nicht geheilt wurde) zwischen der Blasenentzündung und den neuen Symptomen werden nicht gemacht, so wird eine weitere, jetzt ernsthaftere und komplexere Krankheit nach Erfahrung behandelt (Asthma verschwindet jeweils nach Inhalieren mit Cortison, oder die Depression wird mit einem Stimmungsaufheller, Stimmungsdämpfer und/oder Stimmungsantreiber, ein Antidepressiva, in eine ausgeglichene Richtung bewegt). Wenn auch hier nur Symptome behandelt werden, ohne an die echte Ursache zu gelangen, können sich die Auswirkung der echten Ursache ernsthaft und lebensbedrohlich weiterentwickeln (Todessehnsucht bei Depression). Eine echte Heilung (Heilung der Ursache, die unbehandelt ständig und je nach Prädestination Symptome im Aussen erzeugt) ist da nicht geschehen und kann nicht beobachtet werden. Es scheint nur so, weil die Symptome nach Behandlung durch Erfahrung verschwinden und das ist die Willkürlichkeit. Auf diese Erfahrung beruhend kann man nichts sicher über den Heilungsverlauf wissen und ändert die Meinung ständig.

Beispiel Freizeit- und Alltagsgestaltung eines Jugendlichen:

Das wäre wie, wenn ich einen unmotivierten, in den Tag hineinlebenden Jugendlichen (Symptom) dazu animiere, die Verantwortung für seine Freizeit-, und Tagesgestaltung zu übernehmen, ihm aber im nächsten Augenblick die Verantwortung dafür wieder abnehme (Symptombehebung), weil ich es nicht aushalten (Ungeduld im Heilungsprozess) würde, wenn er einen Tag lang nur herumsitzt (Symptom). Für dieses Mal wird der Jugendliche beschäftigt sein und die Tagesstruktur ist organisiert (Symptom ist verschwunden). Wenn ich nun glaube, er habe etwas über Verantwortung gelernt (also die Ursache sei behoben), dann werde ich wohl das nächste Mal eines Besseren belehrt (die Ursache brodelt weiter). Im Gegenteil wird nun der Jugendliche allenfalls nicht nur unmotiviert sondern mit Widerstand (fühlt sich gedemütigt, nicht ernstgenommen) reagieren und noch weniger Verantwortung (neues Symptom, Verstärkung Symptom, Symptom ist tiefer gewandert, existentieller) für seine Freizeit- und Tagesgestaltung übernehmen, weil er die Erfahrung gemacht hat, dass ich seine Untätigkeit nicht aushalte (Ich traue dem Jugendlichen nicht zu, dass er fähig ist, ich nehme den Jugendlichen nicht ernst, ich bemuttere ihn, ich stülpe meine Ängste über ihn, ich lasse dem Jugendlichen den eigenen Prozess nicht machen, ich stärke den Jugendlichen nicht…) und die Gestaltung für ihn übernehme. So wird er wohl länger Geduld haben, nichts zu machen, als ich es habe, ihm dabei zu zuschauen (Ungeduld im Heilungsprozess). So werde ich vielleicht wieder versuchen ihn zu animieren, vielleicht auch verärgert, beschuldigend oder mit anderen Mitteln und schlussendlich wieder einspringen und ihm die Verantwortung abnehmen (erneute Symptombehebung). So handle ich willkürlich, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen oder meine Sorgen um den Jugendlichen abzuwehren, ohne mir Gedanken zu machen, wo die Ursache zu finden ist. Wir könnten dieses Prinzip genauso auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz oder mit der Pünktlichkeit am Arbeitsplatz und dem damit verbundenen Risiko den Arbeitsplatz zu verlieren, anwenden.

Quelle: J.T Kent, Prinzipien der Homöopathie, übersetzt von M. Tiedemann, 2000, S. 48-55

Quelle: Mohinder Singh Jus, Die Reise einer Krankheit. Homöopathie verstehen – ein praktischer Leitfaden. 2019

Menschliche Würde wahren, durch Anerkennung der natürlichen Gesetzmässigkeiten

 

 

Ethische Diskussionen sind immer in alle Richtungen zerreissbar… Gerade wenn es um Menschenleben geht, sind wir oft mit ethischen Dilemmas konfrontiert.

Wenn wir es verhindern können, dass Menschenleben sterben, dann wird die Schulmedizin wohl alles dafür tun, dieses Leben zu retten. Wir können für einiges dankbar sein und auch ich hätte wohl die Geburt meines Sohnes ohne die Schulmedizin (Kaiserschnitt) nicht überlebt und bin dankbar dafür, am Leben zu sein.

Oftmals werden bei der Behandlung von Krankheiten leider die natürlichen Gesetzmässigkeiten ignoriert und umgangen. Viele Menschen wissen gar nicht um die grosse Heilwirkung von natürlichen Gesetzen, wie z.B.: „Heilung geschieht von innen nach aussen“. Das ganze Gesundheitswesen könnte mit Einbezug dieser Gesetze enorm entlastet werden. Wo es die Unterstützung durch die Schulmedizin schlussendlich noch braucht, könnte diese ergänzend genutzt werden. Kosten würden auf alle Fälle eingespart und für andere Bereiche eingesetzt werden können.

Doch weshalb ist es so wichtig, dass der Mensch nach den natürlichen Gesetzen behandelt wird? Wenn wir diese Gesetze befolgen, dann stärken wir die Kraft im Menschen, damit dieser mit den Herausforderungen des Lebens besser umgehen kann. Wir stärken sein Immunsystem und damit seine physische, psychische und seelische Gesundheit.

Behandlungen nach den natürlichen Gesetzen versuchen Symptome wie ein Ausschlag, Warzen, Erkältungen, Asthma oder Depressionen nicht zu bekämpfen. Wenn Symptome mit unterdrückenden Therapieformen, ob alternativ oder schulmedizinisch behandelt werden, gehen diese Symptome zwar weg, die Ursache davon ist jedoch noch nicht behoben. Die Ursache finden wir auf einer tieferen Ebene und diese geht einher mit einer inneren Haltung, meinen Gedanken und Gefühlen, wie ich z.B. das Leben – mein Leben – ja sogar mich selbst betrachte. Durch alleinigeSymptombekämpfung kann diese Ebene nicht erreicht werden. Das innere Ungleichgewicht ist noch da, die Lebenskraft macht weiterhin auf dieses Ungleichgewicht aufmerksam und wird sich durch weitere, vielleicht jetzt komplexere Symptome zeigen. Irgendeinmal werden lebenswichtige Organe betroffen sein und eine Behandlung wird immer schwieriger und komplexer. Oftmals ist der Betroffene dann schon über eine längere Zeit in seiner Lebenskraft geschwächt worden. Durch seine Haltung und das Denken über sich und das Leben selbst und/oder Behandlungsformen, die seine Symptome bekämpft haben. Je nachdem, wie akut eine Erkrankung ist und wie lebensbedrohlich, oder in welchem Stadium sich die Krankheit befindet, wird der Besuch bei der Schulmedizin dann fast unumgänglich werden, um Leben zu erhalten.

Wir sprechen nicht gegen die Schulmedizin, sondern versuchen eher herauszufinden wie Behandlungsformen, die sich an den natürlichen Gesetzen orientieren mit der Schulmedizin gut zusammenarbeiten können. Leider ist der Gesundheitsbereich noch stark von der Pharmaindustrie und der WHO beeinflusst, so dass dieser Bereich einen grossen Einfluss auf die Empfehlungen zur Behandlung von Erkrankungen und Prävention einnimmt. Würden annähernd so viele Gelder in die Untersuchung der natürlichen Gesetze und ihren Einfluss auf die Gesundheit fliessen, könnten wir vielleicht auf Augenhöhe kommunizieren.

Wenn wir Hand in Hand miteinander arbeiten können, also alternative und nicht alternative Behandlungsformen, die den Weg der Heilung von innen nach aussen beherzigen und sich an den natürlichen Gesetzmässigkeiten orientieren, haben wir einen menschlichen Entwicklungssprung gemacht, unsere Wahrnehmung geweitet und unser Bewusstsein erhöht. Wahrscheinlich würden wir die Würde des Menschen dann auch neu verstehen, die in Art. 7 der Bundesverfassung beschrieben wird: «Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen».

Lenken wir einmal den Blick weg von der aktuellen Panik und Angst in eine andere Richtung, um unser momentan eingeschränktes Bild zu weiten: Richten wir unseren Blick einfach mal auf die vielen Kinder, die an Hunger sterben. Richten wir unseren Blick auf die ganze Zucker- und Tabakindustrie, dessen Folgen auf die Gesundheit unzählige Todesopfer fordert. Richten wir den Blick auf Menschen, die in Einsamkeit leben und daran zerbrechen. Richten wir den Blick auf uns Menschen, wie wir unsere ganze Lebensgrundlage zerstören und daran erkranken. Richten wir einfach einmal unseren Blick in eine andere Richtung und lassen es zu, dass Menschen im Alter sterben dürfen. Richten wir unseren Blick auf die Natur und lernen von ihr. Wir Menschen sind Natur, wir kommen aus der Erde und zerfallen wieder in die Erde zurück.

Es geht nicht darum, alte und kranke Menschen dem Tod zu übergeben. Im Gegenteil, wir sind davon überzeugt, mit einer Behandlung, die sich an den natürlichen Gesetzmässigkeiten orientiert, eine gute, das Wohlbefinden stärkende Unterstützung geben zu können. Hier beginnen auf jeden Fall viele ethische Diskussionen.

Es geht uns um die Öffnung der Perspektive, den Menschen nach den natürlichen Gesetzmässigkeiten zu behandeln, weil der Mensch Natur ist. Dann könnten viele Patienten bereits ausserhalb der Spitäler aufgefangen und in ihrer Gesundheit gestärkt werden, um ihr Wohlbefinden zu steigern. Sie würden in ihrer eigenen Kraft gestärkt und die Erfahrung machen, dass sie Herausforderungen des Lebens aus sich heraus meistern können. Sie würden sich weniger in Abhängigkeiten erfahren und sich selbst und ihre Möglichkeiten besser kennen. Hier komme ich mit meiner Würde in Kontakt, hier beginnt die Auseinandersetzung damit, wie ich meine Würde verstehe und Du deine Würde verstehst. Die Würde beginnt nicht erst bei Krankheiten oder im Sterben, sie beginnt bereits in der Art und Weise, wie wir mit uns selber in Beziehung sind und unsere eigene Natur anerkennen. Hier können wir uns begegnen, wenn Du möchtest – hoffentlich auf eine würdevolle Weise.

Falls Sie mehr über die natürlichen Gesetzmässigkeiten und andere Themen wie Impfen, Lebenskraft oder Würde erfahren wollen, dann können Sie sich bei der „Fachstelle zur Stärkung deiner Lebenskraft und Gesundheit“ gerne informieren.